Pharmaindustrie als tragende Säule

von Bettina Metzler · 09. Dezember 2015

Pharmabranche-Grafik_smallDie Signifikanz der Schweizer Pharmaindustrie ist weit größer als bislang angenommen. Im Jahr 2014 betrug die direkte Wertschöpfung 25 Milliarden Schweizer Franken. Da die positive Wirkung derart groß ist, wird die Pharmaindustrie als sog. tragende Säule der Schweizer Exportwirtschaft bezeichnet.

Dies belegt eine Studie der BAK Basel Economics AG und Polynomics im Auftrag von Interpharma (Interessenvertretung der forschenden Pharmaunternehmen der Schweiz) mit dem Titel «Bedeutung der Pharmaindustrie für die Schweiz», mit gleichnamiger Medienkonferenz, die am 24. November 2014 in Bern stattfand. Die Studie zeigt die Entwicklung der Pharmabranche in Bezug auf wichtige Kennzahlen wie Exporte, Produktivität, Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Branchenvergleich auf. Ebenso werden die Auswirkungen des starken Schweizerfrankens und die internationale Wettbewerbsfähigkeit beleuchtet.

Durch die Umstellung (per 30. September 2014) der öffentlichen Statistik der Schweiz auf das neue Europäische System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (ESVG 2010) durch das Bundesamt für Statistik (BFS), wurde die direkte Wertschöpfung der Pharmabranche um ein Drittel nach oben korrigiert. 2014 betrug die nominale Bruttowertschöpfung über 25 Milliarden CHF und entsprach somit einem Anteil an der Gesamtwirtschaft von rund vier Prozent. Der Stellenwert der Pharmabranche als Arbeitgeber ist immens: Mit rund 41 800 Beschäftigten stellt die Pharmaindustrie rund 0.8 Prozent aller Arbeitsplätze, das ist beinahe eine Verdopplung seit 1995.

[…] «Mit einem realen Wertschöpfungswachstum von durchschnittlich
9.4 Prozent pro Jahr trug die Branche über die vergangenen zwei Dekaden
bedeutend zum Wachstum der Schweizer Wirtschaft bei. .» […]

Die wirtschaftlichen Verflechtungen lassen auch Firmen in anderen Sektoren von diesem Erfolg profitieren. Die Studie bestimmte für die Bruttowertschöpfung einen Multiplikator von 1.8, was bedeutet, dass mit jedem Franken Wertschöpfung in der Pharmaindustrie somit nochmals 80 Rappen Wertschöpfung in anderen Schweizer Branchen entstehen. Die makroökonomische Wirkungsanalyse errechnet für 2014 eine zusätzliche Wertschöpfung branchenfremder Sektoren von 19.5 Milliarden CHF, dies entsprach etwa 139 000 Arbeitsplätzen. Damit beläuft sich der direkte und der indirekte Beitrag der Pharmaindustrie im Jahr 2014 auf knapp 45 Milliarden CHF; dies entspricht rund 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Die am 4. Dezember 2015 publizierte Wirtschaftsstudie Nordwestschweiz untermauert die Signifikanz der Pharmaindustrie. Die Berechnungen zeigen, wie die Wirtschaft in der Region Basel durch die Pharmabranche gepuffert wurde und somit dem starken Franken trotzen konnte, dessen Mindestkurs von CHF 1.20 pro Euro am 15. Januar 2015 aufgehoben wurde.

Die Aufhebung der Eurountergrenze durch die Schweizerische Nationalbank traf vor allem die Exportwirtschaft, mit dem Effekt dass deren Umsätze schlagartig einbrachen. Doch trotz dieses Umstandes konnte die Nordwestschweizer Industrie in den ersten neun Monaten um 1.4 Prozent anwachsen. Gemäß Rainer Füeg, Verfasser der Wirtschaftsstudie Nordwestschweiz, sei das der «Pharma» zu verdanken. Die Pharmaindustrie sei von der Frankenstärke weniger tangiert, da diese vor allem auch in den Dollar-Raum exportiere.

© 2015 Bettina Metzler · contact@BettinaMetzler.com · alle Rechte vorbehalten

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Autorenprofil:
Bettina Metzler lic.rer.pol. – frei publ.
Die Ökonomin und freie Publizistin studierte Politik, Geschichte und Journalistik. Das Studium der Wirtschaftswissenschaften (Mikroökonomie – Makroökonomie – Betriebswirtschaft) schloss sie 1997 an der Universität in Basel (Schweiz) mit dem Lizentiat ab.
Fundierte Erfahrung über Jahre im Bereich Marketing und Kommunikation in den unterschiedlichsten Branchen. Als CCO fokussiert auf das breite Gebiet der Kommunikation, in den Tätigkeitsbereichen der online PR, dem Aufbau und Beratung von online relations, web publishing, coporate blogs, ghostwriting, personal coaching und social network communications.

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